Ferienfahrt 2009

Ferienfahrt 2011 geplant

Nickel und Ricki planen die Ferienfahrt von 2009 ins Emsland zu wiederholen. Mit dem Terstegenhaus geht es dann vom 15 bis 18 Mai in die Ferien. Es wurde ein Reha-Antrag gestellt, diese soll in Osterath stattfinden.
Auf die Antwort sind wir gespannt, nachdem in 2010 diese aus eigenen Mitteln finanziert wurde.


Ferienfahrt der Fachabteilung Wachkoma 2009

Frühjahr 2009 – Nach drei Jahren Öffentlichkeitsarbeit und erfolgreicher Spendenakquise war es endlich soweit: Am 06. Mai 2009 starteten wir mit Bewohnern der Fachabteilung Wachkoma des Gerhard Tersteegen Hauses in eine einwöchige Ferienfahrt ins Emsland.

Die Ferienfahrt-Gruppe setzte sich zusammen aus 5 Menschen im Wachkoma, einem Angehörigen, 5 Pflegefachkräften und mir als Psychologin nebst Hund. Hinzukamen die Physiotherapeutin und Ergotherapeutin der Fachabteilung, die sich die Tage der Ferienfahrt untereinander aufteilten. So gut besetzt ging es mit 2 Bussen und 5 Kranken-Transportern los.
Erwartet wurden wir im Emsland von der Familie Hiebing im Haus Landegge, einem ehemaligen Gutshof, der als Ferienort auch für schwerstkranke pflegebedürftige Menschen ein idealer Urlaubsort ist.

Es wurde eine wunderschöne Woche, die alle hoffnungsvollen Erwartungen übertraf.

Allein die Rahmenbedingungen – bestes Wetter, fürsorgliche Gastfreundschaft, optimale Unterbringung und Versorgung – sorgten bereits für eine positive Grundstimmung.
Die Ferienfahrtwoche verlief durchgehend in entspannter, freundlicher Atmosphäre, in der
die Menschen im Wachkoma sich auf beeindruckende Weise öffnen konnten mit all ihren Sinnen und Wahrnehmungsmöglichkeiten:
Der Duft und die Farben der Gräser, Bäume, Blumen und Tiere.
Die wärmende Sonne auf der Haut und der Wind, der das Haar zerzaust.
Das Singen der Vögel und das Wiehern der Pferde.
Das Streicheln der Tiere, eine Blume in der Hand.
Das Erleben von Gemeinschaft mit vertrauten Menschen in idyllischer Umgebung.

Keiner unserer Bewohner zeigte in dieser Woche irgendeine Form der Stresssymptomatik. Selbst am Abend des Anreisetages waren nur allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung erkennbar. Alle lagen entspannt in den Betten und schliefen nahezu selig ein. Dieser Zustand hielt über die komplette Woche an. Der Tag-Nacht-Rhythmus, unterstützt durch individuelle Einschlafrituale, gelang mühelos.
Tief beeindruckt hat mich, dass jeder durchweg entspannt, aber gleichzeitig im Wachzustand hochaufmerksam war und im Kontakt mit seiner Umwelt stand, mit den anderen Menschen, den Tieren und man könnte auch sagen: mit Luft, Sonne, Licht und Wind.

Dabei war es spannend zu beobachten, wie unterschiedlich unsere Bewohner diese Woche für sich „nutzten“ und wie individuell sie sich entfalteten.
So zeigte sich der eine eher als ruhiger Genießer-Typ, der offensichtlich vollauf zufrieden war in den wärmenden Sonnenstrahlen und der Ruhe der Natur. Ein anderer entpuppte sich als ausgesprochener Tierliebhaber und erfreute sich schier unendlich mit Augen, Ohren und Händen an Pferd, Hund, Schwein, Ziege und Kaninchen.
Andere genossen vor allem das fröhliche unbeschwerte Zusammensein , das Spielen mit dem Hund, den Spaß in der Gruppe und das gute Essen.
Eine Bewohnerin entdeckte insbesondere die Pferde für sich. Sie nahm täglich neue damit verbundene Herausforderungen an, bis sie schließlich im Rahmen gemeinsam mit einer Hippotherapeutin das Reiten für sich entdeckte. Auch für uns, die wir sie dabei begleiten durften, wurde der Spruch: „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde!“ lebendig.

Ehemann dieser Bewohnerin war der mitfahrende Angehörige. Über die Entwicklung seiner Frau während der Woche war er sichtlich gerührt und glücklich. Darüber hinaus zeigte er sich beeindruckt von den Fortschritten aller Bewohner. Er selbst gehörte für alle Mitfahrenden vom ersten Tag an mit dazu und es war schön, mit ihm zusammen die Ferienfahrt durchzuführen.

Alle mitfahrenden Menschen im Wachkoma profitierten von den intensiven Einzel- und Gruppenkontakten, die fachlich gestaltet und gesteuert wurden durch das Ferienfahrt-Team. Dessen Multiprofessionalität und gute Kooperation ermöglichten ein ganzheitliches Arbeiten, in der Pflege, Therapie und psychosoziale Betreuung eng verzahnt und ausgerichtet auf das Wohl des Betroffenen sind.

Auf faszinierende Weise gelang es jedem unserer Bewohner, während der Ferienfahrt sein individuelles Potenzial zu entfalten. Spastiken gingen teilweise zurück, Hautbilder verbesserten sich. Es entwickelten sich Sprache, Motorik und Mimik. Dies geschah mitunter so beeindruckend, dass uns manchmal - beinahe andächtig staunend - die Worte fehlten.

Am Vortag der Abreise veränderte sich die Situation in der gesamten Gruppe. Wie an jedem Morgen begrüßte ich mit meinem Hund die Bewohner in ihren Betten und wünschte uns einen gemeinsamen schönen guten Tag. An diesem Morgen teilte ich ihnen auch mit, dass nun der letzte Ferientag angebrochen sei. Alle fünf nahmen diese Information aktiv auf. Bei Zweien flossen sofort die Tränen, die anderen schauten wie erschrocken oder erstarrt. Dieser letzte Ferientag wurde nochmals ein sehr schöner Tag. Die Sonne schien, wir gingen spazieren, besuchten die Tiere und grillten zum Abschluss am Wassergraben des Gutshofs in der Abendsonne. Dennoch war zu beobachten, dass sich die Bewohner zunehmend verschlossen, es flossen erneut Tränen, körperlich waren zunehmende Anspannungen festzustellen.
Jeder der Bewohner bekam ein kleines Geschenk zur Erinnerung und wurde mit besonders viel Aufmerksamkeit („Verwöhn-Programm“) zu Bett gebracht.
Die anhaltende traurige Stimmung zeigte uns, wie sehr die Bewohner diese Fahrt und alles, was sie währenddessen erlebten, genossen haben.
Sie zeigt uns aber auch, wie sensibel, hochaufmerksam und überaus lebendig diese Menschen im Wachkoma sind und wie notwendig es ist, sie in ihrer Ganzheit als Menschen wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen.

Im Namen des Ferienfahrt-Teams möchte ich mich ausdrücklich bedanken bei der Familie Hiebing für deren Gastfreundschaft im Haus Landegge und bei der Krankentransport-Firma Sibu-Mobil für den fast unentgeltlichen, aber sehr freundlichen Transfers unserer Bewohner.

Judith Faust
Diplom-Psychologin
Psychologische Psychotherarapeutin

Neukirchener Erziehungsverein
Gerhard Tersteegen Haus
Fachabteilung für Wachkoma
Tel.: 02151 / 8208-240
Email: judith.faust@neukirchener.de

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