Wachkoma

Beim Wachkoma oder apallischen Syndrom kann die betroffene Person nicht essen, nicht trinken und kaum bis gar nicht kommunizieren. Dennoch schlafen sie und manche reagieren auch auf Reize. Doch viele erwachen niemals ganz aus ihrem Dämmerschlaf.

Die Augen geöffnet, die Mimik erstarrt in einer Mischung aus Erstaunen und Desinteresse, nicht fähig sich zu bewegen oder irgendwie Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen: Patienten im Wachkoma sind weniger als der Schatten ihrer selbst. "Apallisches Syndrom" nennen Mediziner diesen Zustand zwischen der tiefen Bewusstlosigkeit (Koma) und dem bewussten Wachsein, wie Gesunde es erleben. Etwa 3000 bis 5000 Menschen fallen in Deutschland jedes Jahr in ein Wachkoma. Einigen gelingt es, sich wieder in die Welt der Wachen zurück zu kämpfen. Schätzungsweise 12000 dämmern dauerhaft vor sich hin.

Ursachen

Ursächlich für das apallische Syndrom sind oft Unfälle, bei denen das Gehirn verletzt wurde. Auch durch eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff – zum Beispiel durch einen Narkosezwischenfall oder nach einer Wiederbelebung nach einem langen Herzstillstand – kann ein Mensch ins Wachkoma geraten. Oft schließt sich das Wachkoma an ein richtiges Koma an. Doch von Erwachen kann eigentlich nicht geredet werden. Diese Patienten atmen zwar ohne maschinelle Hilfe. Auch ihr Schlaf-Wach-Rhythmus ist vorhanden. Sie sind aber nicht in der Lage zu essen oder zu trinken und müssen darum künstlich ernährt werden.

Die Glasgow-Coma-Scale

Es gibt folglich nicht "das" Wachkoma, sonder vielmehr einen Vielzahl von verschiedenen Stufen des Bewusstsein, in denen sich ein Mensch befinden kann.

Wie weit sich ein Mensch von seinem bewussten Selbst entfernt hat, wird mit den Zahlen einer Skala angegeben, der so genannten "Glasgow Coma Scale". Der Arzt bewertet dabei bestimmte Anhaltspunkte wie die Fähigkeit, bewusst Bewegungen auszuführen oder sich verbal verständlich zu machen. Bei einem GCS-Wert von 3 befindet sich der Betroffene in einem tiefen Koma, reagiert auf nichts und kann auch von sich aus nicht reagieren. Ein GCS-Wert von 15 entspricht einem gesunden, wachen Menschen.

Wenn sich der Geist vom Körper getrennt hat...

Unser Bewusstsein liegt in der Großhirnrinde: Hier denken und fühlen wir, hier liegt unsere Persönlichkeit aufgegliedert auf verschiedenen Bereiche und Hirnwindungen. Das Stammhirn, der "älteste" Teil unseres zentralen Nervensystems (ZNS), der in unserer Evolution viel, viel früher entstand, steuert die Lebenserhaltung: Atmung, Schlafrhythmus, Reflexe. Bei einer Schädigung des Großhirns, wobei das Stammhirn aber funktionstüchtig bleibt, liegt ein apallisches Syndrom vor. Der Patient befindet sich im Wachkoma. Beim Locked-In-Syndrom ist das Großhirn, also das Bewusstsein, nicht betroffen. Doch sind dem Großhirn jede Kontrollen über den Körper entzogen, äußerlich ähnelt dieser Zustand sehr dem Koma oder Wachkoma. Oft werden Patienten mit Locked-In nicht als solche erkannt und müssen bei wachem Geist in einem bewegungsunfähigen Körper ausharren.

Enorme Belastung der Angehörigen

Doch nicht nur finanziell wird den Angehörigen viel abverlangt. Die Pflege eines geliebten Menschen, der in eine so hilflose Situation geraten ist, ist eine enorme nervliche und oft auch körperliche Belastung, vor allem, wenn die Pflege zu Hause erfolgt.